Die Kosten für einen Pflegeheimplatz in Deutschland steigen seit Jahren. Immer mehr Familien fragen sich deshalb: Ist ein Altersheim oder betreutes Wohnen im Ausland eine echte Alternative? In diesem Ratgeber ordnen wir die Zahlen ehrlich ein – was Pflege in Deutschland und im Ausland kostet, was die deutsche Pflegekasse jenseits der Grenze noch zahlt und worauf Sie unbedingt achten sollten.
Was ein Pflegeheim in Deutschland kostet
Der durchschnittliche Eigenanteil in einem deutschen Pflegeheim liegt im ersten Jahr des Aufenthalts bei rund 3.245 Euro pro Monat (Stand: Januar 2026, vdek). Das ist ein Anstieg von etwa 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zur Einordnung der Entwicklung: rund 2.984 Euro im Januar 2025, 3.108 Euro im Juli 2025 und 3.245 Euro im Januar 2026.
Dieser Eigenanteil setzt sich zusammen aus dem pflegebedingten Anteil (rund 1.685 Euro inklusive Ausbildungsumlage), Unterkunft und Verpflegung (rund 1.046 Euro) sowie Investitionskosten. Regional schwankt er stark: In Bremen sind es rund 3.637 Euro, in Sachsen-Anhalt rund 2.720 Euro (Stand 2026, vdek).
Wichtig: Eigenanteil ist nicht gleich Gesamtkosten
Der Eigenanteil von rund 3.245 Euro ist der Betrag, den Sie selbst zahlen – die Gesamtkosten eines Heimplatzes liegen inklusive Pflegekassen-Anteil teils bei rund 4.245 Euro. Außerdem sinkt der Eigenanteil mit der Aufenthaltsdauer: Der Leistungszuschlag der Pflegekasse steigt von 15 Prozent im ersten Jahr auf 30, 50 und schließlich 75 Prozent ab dem vierten Jahr.
Was Pflege im Ausland kostet
Als grobe Faustregel ist Pflege im Ausland rund 30 bis 50 Prozent günstiger als in Deutschland. Die folgenden Werte sind typische Monatskosten für stationäre Vollpflege aus Portalangaben (Stand 2025/2026) und dienen nur der Orientierung:
- Polen: etwa 1.200 bis 2.000 Euro pro Monat
- Thailand: etwa 1.800 bis 4.000 Euro pro Monat
- Indonesien/Bali: sehr günstig – ein komfortables, rundum betreutes Leben ist hier oft schon ab etwa 1.000 bis 1.800 Euro pro Monat möglich
- Spanien: etwa 2.000 bis 4.500 Euro pro Monat
- Deutschland (Eigenanteil, erstes Jahr): rund 3.245 Euro pro Monat
Neben dem Preis nennen viele Menschen einen weiteren Grund: den Personalmangel. In Deutschland fehlen bis 2030 nach Prognosen rund 500.000 Pflegekräfte. Der Nachtdienst ist teils sehr dünn besetzt – dokumentierte Mindeststandards liegen bei etwa einer Pflegekraft pro 40 bis 50 Bewohner. Anbieter in Südostasien werben dagegen mit deutlich besseren Betreuungsverhältnissen.
Zahlt die Pflegekasse im Ausland? Die 8-Wochen-Regel
Das ist die entscheidende Frage – und die Antwort hängt davon ab, wohin es geht. Innerhalb der EU, des EWR und der Schweiz wird das Pflegegeld zeitlich unbegrenzt weitergezahlt, sowohl bei vorübergehendem als auch bei dauerhaftem Aufenthalt (§ 34 Abs. 1a SGB XI).
Neu seit 2026: 8 Wochen statt 6
Bei einem vorübergehenden Aufenthalt in einem Drittland außerhalb der EU – dazu zählen auch Thailand und Indonesien bzw. Bali – wird das Pflegegeld pro Kalenderjahr für bis zu 8 Wochen weitergezahlt. Danach ruht der Anspruch (§ 34 Abs. 1 SGB XI). Diese Grenze wurde zum 1. Januar 2026 von 6 auf 8 Wochen angehoben.
Pflegesachleistungen – also die Bezahlung eines Pflegedienstes – werden außerhalb Deutschlands grundsätzlich nicht exportiert. Außerhalb der EU zahlt die deutsche Pflegekasse keine ausländischen Einrichtungen. Nur das Pflegegeld als Geldleistung kann in dem genannten, begrenzten Umfang mitgenommen werden. Die aktuellen Pflegegeld-Beträge: 347 Euro (Pflegegrad 2), 599 Euro (Pflegegrad 3), 800 Euro (Pflegegrad 4) und 990 Euro (Pflegegrad 5); Pflegegrad 1 erhält kein Pflegegeld (Stand 2025/2026).
Was bedeutet das konkret für Bali?
Das kommt unseren Reisen entgegen: Das Pflegegeld wird bei einem Auslandsaufenthalt außerhalb der EU für bis zu sechs Wochen pro Kalenderjahr weitergezahlt. Eine einmonatige Reise liegt damit vollständig, eine zweimonatige Reise zu großen Teilen innerhalb dieser Förderfrist. Weil wir bewusst nur 1- und 2-Monats-Reisen anbieten, lässt sich das Pflegegeld für Ihre Auszeit meist gut nutzen. Dennoch positionieren wir unsere Reisen als selbst finanziertes Lebens- und Auszeit-Angebot – nicht als Ersatz für ein dauerhaft von der Pflegekasse getragenes Heim.
Wichtig zu wissen: Einen reifen Markt für Pflegeheime nach deutschem Standard gibt es auf Bali nicht – die balinesische Altenpflege ist traditionell familienbasiert. Was Ruhepol anbietet, ist ein eigenes Konzept: betreutes Wohnen auf Zeit in einer kleinen Gruppe, mit deutschsprachiger Begleitung, in einer privaten Villa, mit Vollpension und Programm.
Worauf Sie unbedingt achten sollten
Versicherung
Zwischen Deutschland und Indonesien besteht kein Sozialversicherungsabkommen. Ihr Anspruch auf Kranken-Sachleistungen ruht dort – eine private internationale Krankenversicherung mit Rücktransport ist zwingend erforderlich.
Verträge und Rechtslage
Im Ausland gilt ausländisches Vertragsrecht, es gibt keine deutsche Heimaufsicht oder MDK-Prüfung. Achten Sie auf mögliche versteckte Gebühren und Kündigungsklauseln bei Verschlechterung des Gesundheitszustands. Lassen Sie Verträge vor der Reise in deutscher Sprache prüfen.
Steuern
Bei einer Steueransässigkeit im Ausland kann der Grundfreibetrag entfallen. Ziehen Sie im Zweifel eine Steuerberatung hinzu.
Nähe zur Familie
Die Entfernung ist real – für Bali gibt es keinen Direktflug, die Anreise dauert 16 bis 20 Stunden. Prüfen Sie ehrlich, wie oft Besuche möglich sind, und ob ein Aufenthalt auf Zeit statt eines dauerhaften Umzugs der bessere Einstieg ist.
Unser Rat: Wer über Pflege oder ein Altersheim im Ausland nachdenkt, sollte nicht sofort dauerhaft umziehen. Ein begleiteter Aufenthalt auf Zeit ist die risikoärmere Art, herauszufinden, ob das Leben unter Palmen wirklich passt – finanziell, gesundheitlich und menschlich.